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Wall Of Death im Fotograben – Abenteuer in der Konzertfotografie

Man kann bei der Konzertfotografie ja schon so einiges erleben…

10.08.2016: Darf’s ein Bild mehr sein?

Ich fotografiere gerne und viel, insbesondere natürlich im Musikbereich. Da kommt man schon mal von einem Festival mit 2800 Bildern auf der Speicherkarte zurück, die schnellst möglichst gesichert, kopiert, ausgewertet und bearbeitet werden wollen. Natürlich bleiben nur wenige Bilder davon übrig (ein paar mehr, die gespeichert werden), und davon gehen dann die besten online. Aber wieviel Bilder einer Band sollte man denn nun genau online stellen? Da gehen die Meinungen wohl sehr weit auseinander. Richtig ist, dass man nur das Beste zeigen sollte, aber wenn ich mich auf die wirklichen „Killershots“ beschränke, habe ich vielleicht 3 oder 4 Aufnahmen pro Band. Damit meine ich die wirklich außergewöhnlichen Bilder, die sich erheblich von der Masse der Fotos abheben. Wenn ich nur 3 oder 4 Fotos einer Band in einem Fotoalbum auf der Webseite veröffentliche, würden sich viele sicher wundern. Wieso nur 3 Bilder? Hast Du nicht mehr gemacht? Vielleicht bin ich aber auch nicht gut genug, wenn ich nur 3 oder 4 wirkliche Top-Fotos pro Band habe. Vielleicht.

Also versuche ich, doch ein paar mehr Fotos zu posten, so in der Regel 10 bis 15. Ich denke, dass das immer noch ok ist und zumindest die Bands und andere Interessierte freut, weil sie eben ein paar mehr als nur 3 Fotos des Auftritts bei mir sehen können.

In den letzten Tagen habe ich aber auch beobachtet, dass Kollegen sehr viel mehr Bilder posten. Ganz aktuell hat jemand über 100 Fotos eines Auftritts, auf dem ich ebenfalls fotografiert habe, bei Facebook online gestellt. Über 100 Bilder derselben Künstlerin inklusive des Publikums. Wow…! Andererseits…na ja, Ihr wisst, was ich sagen will. Waren das die 100 besten Bilder des Kollegen, oder war das die ungefilterte Ausbeute des gesamten Konzerts? Ich habe dort rund 200 Bilder gemacht, von denen ich 40 in die Endauswahl genommen habe und schließlich um die 15 online gelandet sind. Hätte ich auch lieber alle 200 posten sollen? Ich denke, ich erspare mir und Euch diese Bilderflut.

Andererseits sind die Kollegen, die mal eben alle 100 Fotos eines Auftritts posten, aber auch im Vorteil. Sie sind schnell. Sie haben ihr Album schon wenige Stunden nach dem Gig online, weil sie eben nicht viel aussortieren oder nachbearbeiten. Und die Konsumenten freuen sich: Schnell nach dem Gig soooo viele bunte (und schwarz-weiße) Fotos. Wenn ich dann einige Tage später soweit bin, interessiert sich kaum noch jemand für den Gig, denn es gab ja schon ganz viele Fotos online. Ich muss also schneller werden, noch mehr wirklich herausragende Shots machen und viel mehr Bilder posten. Oder viel weniger. Ach, ich weiß auch nicht, ich mache einfach weiter, wie es für mich am besten passt, und wenn das jemandem gefällt, freue ich mich.

Ok, das nur mal so gesagt. Oh, und was ich noch sagen wollte: Ich werde immer wieder darauf hingewiesen (neulich schon wieder), bei Konzerten doch bitte nicht zu blitzen. Ich habe doch noch nicht einmal einen Blitz auf bzw. in der Kamera, wie soll ich da blitzen? Außerdem weiß ich doch selbst, warum das ein No-Go ist und kann auch ohne Blitz gute Bilder machen. Ich will ja auch gar nicht blitzen. Dennoch wird es mir immer wieder gesagt. Während der Kollege nebenan munter am Blitzdingsen ist. Wow, 200 Fotos und dann auch noch die exklusive Erlaubnis zu blitzen. So cool werde ich niemals sein.

21.09.2015 „Aber nicht blitzen!“

Heute muss ich mal was loswerden. Klar, es gibt Regeln im Spiel der Konzertfotografie. Damit meine ich gar nicht die fotografische Bildgestaltung oder so was, sondern die klaren und notwendigen Regeln zum Thema Akkreditierung, Einlass, Absprachen mit Band und Promoter usw. Sehe ich alles ein. Dennoch lässt die Organisation manchmal zu wünschen übrig, und wenn man dann schon klar erkennbar nicht als Fanboy rumknipst, sondern eben ernsthaft Konzertfotografie betreibt, möchte man nicht immer noch an bekannte Regeln erinnert werden müssen. „Aber nur ohne Blitz!“ habe ich gerade wieder zu hören bekommen. Danke für den Hinweis. Ich meine, ist ja nicht böse gemeint, und die Veranstalter machen da auch nur ihren Job, ist mir schon klar, aber wie dreist oder dumm stellen sich manche Fotografen wohl an, dass dieser Hinweis immer noch gegeben werden muss? Ich habe ja selbst Pressefotografen von irgendwelchen Zeitungen schon bei Veranstaltungen mit Blitz auf die Musiker halten sehen. Sorry, klingt vielleicht großkotzig: Aber wer der Meinung ist, auf einem Konzert blitzen zu müssen, um „gute“ Fotos der Band zu bekommen, hat meiner Meinung nach da nichts verloren. Konzertfotografie geht auch – geht NUR!!! – ohne Blitz.
Ich war ja gerade wieder unterwegs. Akkreditierung mit Fotopass per E-Mail bestätigt, draußen kurz mit dem Tourmanager gesprochen, der auf Nachfrage meint, dass ich so lange fotografieren könnte wie ich wollte, also nicht nur drei Songs. Am Einlass weiß man dann zwar vom Gästelistenplatz, aber nichts von Fotos. „Da müssen wir noch mal mit der Band reden…“ Ja, hab ich ja schon gemacht. Aber ok, kann ich verstehen, als Veranstalter will man die Band ja nicht verprellen, indem man jeden mit Kamera vor die Bühne lässt. Kurze Zeit später dann: „Hm, die Band hat gerade keine Zeit, aber ich denke, das ist schon ok.“ Ich wollte eigentlich gar nicht weiter fragen, hatte ja die Akkreditierung in der Tasche und vorher schon mit der Band gesprochen. Aber wie gesagt, das kann der Veranstalter / Hausherr nicht wissen. Also noch mal nachgehakt. „Ja, alles klar.“ Gut, schön! „Aber nicht blitzen!“ Nein, tu ich doch gar nicht. Will ich doch gar nicht. Mache ich nicht, keine Angst. Wie auch, hab ja gar keinen Blitz dabei.
Später dann während des Konzerts kommt noch mal jemand vom Haus zu mir hin und lässt sich die Akkreditierung zeigen. Und weißt mich noch mal eindringlich darauf hin, dass ich nicht blitzen soll. HABE ICH DOCH AUCH GAR NICHT GETAN! Habe ich auch nicht vor. Und wie auch, ohne Blitz an der Kamera? Na gut, wie gesagt, Regeln sind nun mal da und ja auch notwendig, das verstehe ich. Aber dass immer wieder noch darauf hingewiesen werden muss, doch bitte nicht zu blitzen, kann ja nur daran liegen, dass es immer wieder irgendwelche „Profis“ tun.

14.04.2015: Whiskey mit Soda – Noch ein weiterer kleiner Rückblick

Irgendwann kommt bei allem, was man begeistert tut und verfolgt, wohl der Moment, an dem man sich entscheidet, wie es weitergehen soll. Bereits auf dem RockHarz 2013 hatte ich dort jemanden kennen gelernt, der auf dem Festival auch fotografiert hatte, und zwar für ein Online Musikmagazin namens Whiskey-Soda. Ich hatte daraufhin die Seite bei Facebook „geliked“, aber nach einer Weile irgendwie wieder aus dem Blick verloren. Anfang 2014 las ich aber, dass Whiskey-Soda neue Leute suchte. Unbezahlt (was ja auch gut so für mich ist, weil es ja weiterhin kein Beruf oder Nebenjob ist), aber eben mit der Möglichkeit, für Konzerte akkreditiert zu werden. Das war aber auch mit der Aufgabe verbunden, CD-Reviews und Musiknews für die Webseite zu verfassen. Dass ich ganz gute Konzertfotos machen kann, wusste ich zu dem Zeitpunkt ja schon aus einiger Erfahrung. Aber würde ich auch Rezensionen oder ganze Artikel schreiben können? Ich hab ja nie Journalismus studiert und nie für eine Zeitung oder ein Magazin geschrieben. Meine Anfrage bei Whiskey-Soda wurde schnell beantwortet, und wir kamen gemeinsam zum Entschluss, dass ich es doch einmal versuchen solle. Und schon wenige Tage später war ich dabei, ein E-Mail Interview mit dem amerikanischen Prog-Gitarristen John Wesley (u. a. Live-Musiker für „Porcupine Tree“) zu führen, der im April 2014 sein neues Studioalbum veröffentlichte. Was soll ich sagen, es hat ganz gut geklappt und viel Spaß gemacht. An dieser Stelle noch mal ein dickes Dankeschön an das ganze W-S-Team und insbesondere an meinen Chefredakteur Daniel, der mich super eingewiesen hat und für alle Fragen immer zur Verfügung steht. Nur wenige Tage später durfte ich dann auch für W-S zum ersten Mal Bilder machen, verbunden mit einem Interview. In Osnabrück traf ich die dänischen Rocker von „Go Go Berlin“ zum Gespräch und später zum Konzert. Im Laufe der nächsten Monate kamen so einige Termine dazu. Im Juli 2014 besuchte ich das „Night Of The Prog“ Festival an der Loreley, und nur einen Monat später war ich auf dem „M’era Luna“ in Hildesheim zu finden.
Seither habe ich je Menge CD-Rezis geschrieben (wobei ich aus Zeitgründen leider nicht so viel schaffe, wie ich gerne machen würde), habe u. a. Neal Morse und Michael Kiske interviewt und Bands wie Saxon, Vicious Rumors oder Gotthard fotografiert. Und es geht weiter…

02.04.2015: Wir schwelgen weiterhin in Erinnerungen an die Anfänge:

Wie zu erwarten, war ich spätestens nach dem RockHarz Festival so richtig angefixt. Und als mir dann eine Bekannte Anfang September 2013 von einem kleinen Metal-Festival in der Nähe berichtete, wo 5 oder 6 Bands in einer Scheune spielten, fragte ich per Mail mal beim Veranstalter an, wie es denn mit Fotos aussähe. Nicht für Radio Zombiestation, sondern ganz einfach für mich bzw. für den Veranstalter. Es kam eine prompte Zusage, wobei es da sicherlich auch hilfreich war, dass ich inzwischen dank RockHarz und Hexentanz so einige ganz gute Fotos auf meiner Webseite vorweisen konnte. Also fuhr ich an einem Samstag im September nach Bassum bei Bremen und fand mich auf einem kleinen Bauerhof wieder, wo ca. 50 Metalheads eine wirklich kleine Scheune belagerten, in der eine Bühne aufgebaut worden war. Einen Fotograben oder eine Absperrung gab es hier natürlich nicht, so dass Shooting direkt aus dem Publikum heraus angesagt war. Dazu kam eine Beleuchtung, die im Wesentlichen aus ein paar an der Decke an einem Holzbalken montierten Scheinwerfern bestand. Es war also eher dunkel, was ich auch sehr schnell an den ISO-Werten merkte, mit denen ich hier arbeiten musste. Aber ich will mich ja gar nicht beschweren: Es hat dennoch viel Spaß gemacht, und unterm Strich sind die Bilder auch ok. Jedenfalls für die bescheidenen Lichtverhältnisse vor Ort. Außerdem war es natürlich auch eine neue Erfahrung, direkt aus dem Publikum heraus fotografieren zu müssen. Zum Glück war die Scheune klein genug, um nicht allzu viele Menschen fassen zu können, so dass es unterm Strich immer noch einigermaßen möglich war zu fotografieren, mal den Standort zu wechseln und sich überhaupt etwas bewegen zu können.

Und dann ging es auch direkt weiter mit dem Spätsommerfest der „Use Akschen“ in Bremen.
„Use Akschen“, Bremisch für „Unser Aktien(gesellschaft), damit ist die ehemalige Schiffswerft „AG Weser“ in Bremen-Gröpelingen gemeint. Und „Use Akschen 91“ (nämlich eben ein Gebäude dort mit der Hausnummer 91) beherbergt eine Reihe von Lagerhallen, Ateliers und Probenräumen für Bands. Freunde von mir haben eine Band und proben dort eben auch, und im Rahmen einer gemeinsamen Aktion des Hauses war nun die Planung, im September 2013 eine Art „Sommerfest“ zu veranstalten, bei dem vier der im Haus probenden (Nachwuchs)bands auftreten sollten. So wurde ich also gefragt, ob ich nicht vorbeikommen und auch fotografieren wolle – für „Prism Eyes“, besagte Band der zwei Freunde. So etwas ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen, und so pilgerte ich also zur „Use Akschen 91“, wo in einer überraschend großen Lagerhalle eine Bühne errichtet bzw. eine Galerie zur Bühne umfunktioniert worden war. Vor Beginn der Veranstaltung sprach ich kurz mit meinen Freunden, und da kam natürlich auch das Gespräch auf die anderen Bands, und eine Band, die als erstes spielen sollte, „The Minor Minds“, war schon anwesend und ganz begeistert von der Idee, Fotos vom Auftritt zu bekommen. Dadurch, dass die Bühne in der Halle auf eine Galerie errichtet war und es seitlich davon Treppen gab – und eine weitere, höhere gelegene zweite Galerie, auf die ich steigen konnte! – boten sich mir hier ganz neue Perspektiven, z. B. konnte ich den Schlagzeuger „von oben“ in Aktion fotografieren. Das Sommerfest war ein voller Erfolg, finde ich. Nicht nur, dass ich von „The Minor Minds“, „S:age“, „Prism Eyes“ und „Monolith“ viele gute Fotos machen konnte, ich kam im Laufe des Abends auch mit Mitgliedern der „Minor Minds“ und „S:age“ ins Gespräch und außerdem mit Tibor, dem Chef von „RW-Events“, der Firma, die das Fest mit Bühnen- und PA-Technik ausgestattet hatte. Gute Kontakte sind ja alles…!

Folgen: Durch die Kontakte durfte ich „S:age“ im November bei einem Auftritt in Bremen noch einmal fotografieren, „The Minor Minds“ im Oktober schon beim „Vegefest“ in Bremen-Nord ablichten, und „The Minor Minds“, „S:age“ und „Prism Eyes“ standen dann Ende November 2013 erneut gemeinsam die „Use“ rocken, diesmal allerdings in einer wesentlich kleineren Halle. Im März 2014 spielten „S:age“ erneut in Bremen, diesmal im Bluesclub „Meisenfrei“, der schon irgendwie einen gewissen Rang und Namen in der Bremer Szene hat. Ich wurde vorab von der Band gefragt, ob ich nicht wieder Bilder machen würde, und das habe ich mir natürlich nicht zweimal sagen lassen. Im November 2013 erhielt ich überraschend eine SMS von schon erwähntem Bekannten, der mir damals das Blackfield Festival angeboten hatte. Er war für die Eisheilige Nacht in Bremen im Dezember für das „Schwarze Bremen“ (Gothic-Forum) akkreditiert, konnte aber nicht, und fragte nun also ab, ob ich Zeit und Lust hätte. Ja, beides. Und so stand ich Ende des Jahres dann im Bremer Pier 2, um „Lord of the Lost“, „Lordi“ und zum wiederholten Male „Korpiklaani“ und „Subway to Sally“ abzulichten. Ich hatte definitiv „mein Ding“ gefunden und war bereit, im Jahr 2014 dann so richtig durch zu starten.


26.03.2015: RockHarz 2013: Mein erstes Festival im Graben

Wir schwelgen weiter in Erinnerungen. Wie ging es denn nun nach dem Konzertfotoworkshop weiter?

Also, nur kurze Zeit später unterhielt ich mich auf einer Geburtstagsfeier mit einem Bekannten, der für ein Online-Forum ebenfalls Konzerte fotografiert und mir anbot, für ihn doch das Blackfield Festival Ende Juni in Gelsenkirchen zu besuchen und dort Bilder zu machen, da er dort verhindert war. Hätte ich gerne gemacht, aber dummerweise war das Wochenende schon länger anderweitig verplant.
Für Juli stand schon traditionell das RockHarz Open Air in Ballenstedt auf unserem Programm – seit 2004 (mit Unterbrechungen) sind Freunde und ich dort regelmäßig als Gäste, und es ist immer ein schönes gemütliches Festival mit interessanten Bands und netten Menschen. Aus einem ursprünglich eher kleinen Festival mit wenigen hundert, später ein paar tausend Besuchern wurde in den letzten Jahren ein recht großes, aber immer noch gemütliches Spektakel über drei Tage mit inzwischen 12.000 Besuchern, mehr als doppelt soviel wie beim „Hexentanz“ im April.

Meine damalige Lebensgefährtin überredete mich, doch einmal das RockHarz anzuschreiben, wie es denn mit einer Foto-Akkreditierung aussähe. Tja, ich bin bei solchen Dingen ja immer skeptisch. Ich arbeite nicht für ein Magazin, bin kein Journalist, betreibe die Fotografie nur als Hobby, warum sollte ich da zugelassen werden? Das einzige „Magazin“, für das ich schreiben könnte, war unser Internetradio „Zombiestation“. Von daher habe ich auch gar nicht damit gerechnet und war überrascht, als ich zweieinhalb Wochen vor dem Festival per E-Mail eine Akkreditierung mit Fotopass für „Radio Zombiestation“ erhielt. Und so fuhr ich also auf mein erstes Metal-Festival zum Fotografieren ohne Rettungsring. Diesmal war ich kein Workshop-Teilnehmer und hatte keinen Martin Black als „Türöffner“, diesmal war ich quasi allein im weiten Ozean der Konzertfotografen, der Sprung ins beinahe kalte Wasser. Zum Glück tat’s gar nicht weh, und das Wasser war auch angenehm warm.

Dank des Workshops bei Martin wusste ich ja ungefähr bescheid, wie das so abläuft und was zu beachten ist, von daher glaube ich, dass ich mich ganz gut geschlagen habe und zumindest auch niemandem der ca. 70 (!) akkreditierten Fotografen aufgefallen ist, dass ich quasi Neuling auf dem Gebiet bin. Da schwimmt man plötzlich ohne Leine im großen Ozean zwischen den Haien und hofft, dass niemandem auffällt, dass man doch nur ein ganz kleiner Fisch ist. Oder so ähnlich. Die Organisation vor Ort war ein wenig chaotisch, die Security beim ersten Einlass wollte mich mit Kamera erst nichts reinlassen (aber das hat sich dann doch schnell geklärt), und irgendwann hatte ich dann meinen Fotopass am Lanyard, wurde mit anderen Fotografen und Pressevertretern backstage und über das Gelände geführt und stand schließlich im Fotograben mit ca. 12.000 Metalfans hinter mir und diversen Bands vor mir und hatte pro Band 3 Songs Zeit, gute Bilder zu machen. Teilweise war es schon ziemlich eng im Graben zwischen Bühne und Publikumsabsperrung, gerade bei den Headlinern. Kann man sich ja vorstellen bei rund 70 Fotografen, die gerade bei den Top-Acts natürlich auch alle gleichzeitig vor Ort waren.
Aber mich hat positiv überrascht, wie gut das Klima doch war, wie jeder auf den anderen Rücksicht genommen und ihm nicht ins Bild gelaufen ist und wie viel Spaß wir doch hatten. So kam bei „J.B.O.“ zum Beispiel die Idee auf, doch per Polonaise in den Graben einzumarschieren, und wer die bekloppte Idee hatte, bei „Finntroll“ eine Wall of Death im Fotograben zu machen, weiß ich zwar nicht, aber sie war lustig (und es gab auch keine Verluste an Mensch oder Material).

Da stehst du dann mit der ganzen Horde seitlich von der Bühne am Zugang zum Fotograben vor der Security und wartest auf das Zeichen, reingehen zu dürfen. Meistens geht’s genau in dem Moment los, wenn die Band auf die Bühne kommt. Hin und wieder auch mal später (bei „Subway To Sally“ zum Beispiel, weil es am Anfang Pyroeffekte gab und es da direkt vor der Bühne wohl etwas zu gefährlich gewesen wäre). Der Security-Mann gibt das Zeichen, und alle marschieren an ihm vorbei los, zuerst noch artig V.I.P. Armbändchen und Fotopass in die Höhe haltend, später kannten die Secus ihre Leute ja schon irgendwie.
Und dann stehst du da vor der Bühne, schräg über dir legt die Band los, und du hast in der Regel maximal 10 Minuten Zeit für deine Aufnahmen (3 Songs, kein Blitz, so lautet ja die alte Regel). In dieser Zeit habe ich meistens so zwischen 100 und 200 (oder auch mal mehr!) Fotos gemacht, denn man möchte ja keinen Moment verpassen. Ein Großteil der Bilder wird nach dem Auftritt gleich wieder gelöscht, weil sich viele natürlich wiederholen oder weil einige einfach unscharf, fehlbelichtet oder sonst wie „verunglückt“ sind. Da bleiben dann meistens ca. 50 von übrig, die man mit nach Hause nimmt und dort am großen Bildschirm dann weiter selektiert. Unterm Strich bleiben ca. 20 gute Bilder pro Band übrig, von denen man dann wiederum eine Auswahl der Besten online stellt.
Gerade die Headliner am Abend waren eine besondere Herausforderung. Zum Beispiel Subway To Sally, als Eric Fish kurz vor Ende der „Fotozeit“ noch anfing, Feuer zu spucken. Da lässt man dann auch den Finger am Abzug…ähm…Auslöser und fotografiert auf Dauerfeuer. Dabei sind auch ein paar Bilder entstanden, auf die ich richtig stolz bin.
Oder „Accept“ und „Kreator“, die ziemlich schlechtes Fronlicht hatten, da kann man nur wirklich SEHR viele Fotos machen und hoffen, dass doch das eine oder andere davon was wird und man nicht nur Silhouetten, sondern auch Gesichter erkennen kann. Der fototechnisch schwierigste Gig auf diesem Festival war dann auch eindeutig der Headliner „Avantasia“. Ich glaube, ich habe über 400 Bilder in diesen 10-15 Minuten der ersten drei Songs gemacht. Im Sekundenbruchteil komplett wechselnde Lichtstimmung, immer wieder zum Publikum und damit zum Objektiv gerichtetes Stroboskopgeblitze (die Regel „Kein Blitzlicht“ gilt offenbar nur für Fotografen, nicht aber für die Band 😉 ), Sänger, die lieber im hinteren Teil der Bühne bleiben, als schön fotogen nach vorne zu kommen…das sind Probleme, mit denen man in dieser Situation dann umgehen muss. Dazu ist natürlich der Graben in diesem Moment so überfüllt mit Fotografen, dass man sich auch kaum richtig bewegen kann. Aber gerade dieser Auftritt hat auch wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich habe trotz dieser widrigen Umstände einige gute Bilder machen können.

Nach dem Festival hatte ich dann endgültig Blut geleckt.

26.03.2015: Weil heute Donnerstag ist (Throwback Thursday), fange ich das Blog glatt mal an mit einer Erinnerung an die Anfänge…

Fotografie war ja schon lange ein Hobby von mir, man könnte auch sagen eine Besessenheit.
Wahrscheinlich wurde mir das schon ein wenig mit in die Wiege gelegt, meine Mutter hat schließlich jahrelang Fotoapparate verkauft, und als Jugendlicher hab ich dann auch eine Menge fotografiert. Na ja, das war mehr so „mein schönstes Urlaubsfoto“-Geknipse, aber irgendwann Ende der 80er wurde es dann auch schon so ein bisschen ästhetisch mit Sonnenuntergängen und Lichtstimmungen und so. Nach längerer Pause fotografierte ich dann (immer noch analog) Ende der 90er bis 2003 wieder eine ganze Menge, überwiegend im Urlaub.
2004 kaufte ich mir meine erste Digitalkamera, eine kleine Kompakte von Canon, die mich bis zu ihrem Exitus 2007 auf diverse Conventions und Urlaube begleitete. Es folgte wieder eine 1jährige kameralose Zeit (gut, zu dem Zeitpunkt war schon die Handyknipse da, also nicht ganz kameralos), und dann kaufte ich schließlich meine erste digitale DSLR. Ich ahnte zu dem Zeitpunkt ja kaum, was ich damit losgetreten hatte und vor allen Dingen welche Folgekosten dieser harmlose Kauf nach sich ziehen sollte.

Eigentlich wollte ich ja nur eine halbwegs vernünftige Kamera für Urlaubsreisen haben. Aber man kann das vermutlich niemandem erklären, der nicht auch von diesem Virus infiziert ist: Irgendwie will man immer mehr. „Hm, die Fotos sind ja nett, aber eigentlich wäre Vollformat schon besser, oder?“, „Hm, gerade bei Action ist die Kamera doch sehr langsam, und das Objektiv könnte auch lichtstärker sein“. Und so weiter. Ich möchte hier an dieser Stelle gar nicht so sehr auf die einzelne Ausrüstung eingehen, dazu komme ich vielleicht später noch. Aber im Laufe weniger Jahre hat sich doch ein erstaunlicher „Fuhrpark“ angesammelt, bzw. einiges wurde dann auch in der E-Bucht wieder verkauft. Inzwischen bin ich mit meinem Equipment durchaus glücklich, was natürlich nicht heißen soll, dass nicht doch noch Raum und Bedarf für das eine oder andere Objektiv wäre…;) Mal so ganz objektiv betrachtet. Har Har.

Aber andererseits muss man an dieser Stelle ja auch noch einmal sagen: Ich mache das alles nur als Hobby und will und darf damit auch gar kein Geld verdienen. Das nur mal so als Einstieg. Ich möchte ja überwiegend von der Konzertfotografie schreiben, und die begann für mich im Frühjahr 2013. Eigentlich fing ja alles mit den Wölfen an. Und zwar nicht den Powerwölfen, sondern den richtigen im Wolfcenter Dörverden. Im Januar 2013 meldete ich mich zu einem Workshop-Wochenende zum Thema „Wolfsfotografie“ an und war sehr angetan vom Aufbau und Ablauf des Workshops. Also fing ich in den nächsten Wochen an, im Internet zu stöbern, was es denn noch so für interessante Workshops gäbe, die ich mal besuchen könnte, um mein Fotografiewissen zu erweitern. Dabei stieß ich dann für Ende April auf einen weiteren tierischen Workshop zum Thema „Raubkatzen“ in einem Safaripark. Ich meldete mich dort an und beobachtete fortan immer auf der Webseite, wie sich weitere Teilnehmer anmeldeten oder eben auch nicht. Irgendwie war ich für den Termin der einzige, und rund zwei Wochen vorher wurde der Workshop dann auch wegen fehlender Beteiligung abgesagt. Da hatte ich nun also das Wochenende frei, hatte mir für den Freitag sogar noch einen Tag Urlaub genommen (weil es auf einem Freitag hätte stattfinden sollen) und war etwas enttäuscht. Also suchte ich mal spontan im Internet nach weiteren Workshops bzw. einer Alternative. Mehr zum Spaß gab ich „Konzertfotografie“ ein, weil ich ja sehr gerne auf Konzerte gehe, mich für (Rock)Musik interessiere und schon immer mal dort fotografieren wollte, aber im Prinzip genau wusste, dass das nie erlaubt war und „den Profis vorbehalten bleibt“.

Ich hatte früher schon auf diversen Konzerten immer wieder mal mit der Kompaktkamera ein paar Fotos aus dem Publikum heraus gemacht, wie man das halt so macht als Konzertbesucher, ber die Ergebnisse waren in der Regel nicht wirklich zufrieden stellend. Bei zwei Gelegenheiten hatte ich bisher mit der DSLR auf einem Konzert fotografieren dürfen bzw. es einfach gemacht: Einmal „Culcha Candela“ im Sommer 2011 in Bremen im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung, wo die Gruppe eben auftrat und keiner etwas gegen eine Fotoausrüstung gehabt hatte, und dann im Frühjahr 2012 noch einmal in Oldenburg, als Percival Duke dort im Rahmen des Christopher Street Day einen Auftritt hatte.

Wie gesagt, ich suchte im Internet und wurde dann auch tatsächlich fündig. Wie der Zufall so will…genau an diesem besagten Wochenende veranstaltete ein gewisser Martin Black einen Workshop „Konzertfotografie“ inkl. Fotopass für ein Metal-Festival, also genau mein Ding. Aber – unten im Saarland, rund 550 km entfernt, nicht ganz billig, und dann käme ja auch noch ein Hotel dazu. Aber ich war angefixt. Also habe ich ein wenig gemailt und telefoniert, und kurz darauf schon hatte ich meinen Workshop-Platz und auch ein Hotel vor Ort.

„Hexentanz-Festival“ in Losheim am See. Das war es also, das legendäre Festival, auf dem ich zum ersten Mal mit der DSLR direkt vor der Bühne stand. Am Freitag bin ich also angereist mit etwas Stau um Köln herum, habe mir in Weiskirchen mein Hotel gesucht (das ich sogar kannte, weil ich da 2006 schon einmal beruflich gewesen bin) und bin von dort dann ins benachbarte Losheim gefahren. Erstes Problem: Das Finden des Festivalgeländes. Auf der Homepage stand keine genaue Adresse, von daher war ich davon ausgegangen, an der Ortseinfahrt entsprechende Schilder bzw. Werbung zu finden. War aber nicht. Aber gut, ich hatte ja die Adresse vom Hotel, wo der Workshopleiter und Konzertfotograf Martin Black untergebracht war. Und das lag – siehe da – direkt am Festivalgelände. Martin hatte auch mein Bändchen für mich schon organisiert, so dass der Einlass schnell und problemlos klappte. Am Freitag war noch kein Workshop, darum war ich da ganz normaler Festivalbesucher. Highlight an diesem Abend waren die Finnen von „Sonata Arctica“, leider gestört von einsetzendem Regen.

Die Workshopgruppe am Samstag war sehr klein (war ja ohnehin für maximal 3 Personen…wir waren aber nur zu zweit, wobei der andere Teilnehmer erst Mittags anreisen konnte, so dass ich den Theorieteil quasi als Einzelcoaching bei Martin auf dem Hotelzimmer hatte).
War wirklich spannend, und ich habe noch einiges neu gelernt zum Thema Akkreditierung, Bildrechte, aber auch Ausrüstung, Kameraeinstellungen und Verhalten vor Ort. Gegen 13.30 Uhr war der andere Teilnehmer dann auch da, und wir sind direkt auf das Festival gegangen, um die erste Band „Maerzfeld“ zu fotografieren. Wie das immer so ist: 3 songs, no flash. Das hat auch schon mal ganz gut geklappt, gerade den Gitarristen konnte ich dank schöner Hintergrundlichter gut ablichten. Unterm Strich aber waren die Bilder aufgrund einer von mir dummerweise erst zu spät gesehenen falschen Kameraeinstellung alle etwas zu dunkel. Also gleich mal die Belichtungskorrektur raus genommen. Na ja, so kann’s gehen.

„Maerzfeld“ also die erste Band, die ich „richtig“ fotografiert habe. Musikalisch war das ein Vertreter der „Neuen Deutschen Härte“, sozusagen Rammstein für Arme, was sich jetzt negativer anhört als es war. Nee, war schon ganz nett, nicht mehr und nicht weniger.
Direkt danach spielten „Metsatöll“ aus Estland, die waren lustig, auch wenn sie – wohl aus Platzgründen – schon das Schlagzeugset von Korpiklaani benutzten, was mich erst etwas verwirrte. Lustiger Folk-Metal aus Estland mit bärigen Gestalten, die wild ihre Haare schüttelten und ihre Bärte präsentierten. Auch musikalisch konnten „Metsatöll“ überzeugen, und ich hatte das Gefühl, als wären meine Fotos auch schon besser geworden als die eben noch bei „Maerzfeld“. Na ja, war ja auch schon April 😉

Als nächstes kamen „Stahlmann“, die klangen ebenfalls arg nach Rammstein, aber machten fototechnisch viel her mit ihren silben geschminkten Gesichtern. Sehr fotogen natürlich auch danach die Show von „Coppelius“, wobei wir hier nicht nach 3 Songs aus dem Graben mussten, sondern quasi die ganze Show fotografieren durften. Sehr nett von der Band, und da sind auch viele tolle Bilder entstanden! Highlight des Festivals danach waren für mich „Korpiklaani“ mit ihrem finnischen Folk-Metal. Sehr gutes Licht, viel Stimmung, gute Fotos!. Bei „Mono Inc.“ wurde es schon dämmrig, und zum Schluß bei der „New Model Army“ war es natürlich dunkel, und es gab leider nur ziemlich schlechtes Bühnenlicht bzw. kein Bühnenlicht von vorne, so dass die Fotos hier nicht so toll geworden sind, jedenfalls was die Erkennbarkeit und Helligkeit der Gesichter angeht. Leider hat es den ganzen Tag mehr oder weniger geregnet bzw. genieselt, aber egal, da musste man durch, und ich hatte ja sowohl Regenzeug als auch eine Kamerahülle. Es war auf jeden Fall sehr spannend, ich habe viel gelernt und nebenbei noch coole Bands gesehen und gehört.

Auf der Rückfahrt gen Norden habe ich oft über den Workshop nachgedacht. Ich ging zu diesem Zeitpunkt noch davon aus, dass ich nie wieder die Gelegenheit haben würde, auf einem Konzert „richtig“ zu fotografieren. Ich ahnte damals kaum, dass dies erst der Anfang eines großen Abenteuers gewesen sein sollte!